aus: Stuttgarter Zeitung

 

Fruchtsäule soll kein schiefer Turm sein

 

Neuer Pavillon als Fundament

Michael Gabeler hat Stress. „Nur noch ein Telefonat, dann habe ich Zeit für Sie“, sagt der Architekt. Der Ort der vorerst kurzen Begegnung ist der Cannstatter Wasen. Dort wird derzeit die Fruchtsäule aufgebaut – ein Pavillon wird das Wahrzeichen künftig umgeben.

 

Von Eberhard Renz

 

An diesem Morgen, knapp zwei Wochen vor den ersten Fassanstich, schaut das Schmuckstück noch reichlich trist aus, braucht jede Menge Hilfe. Von einem Schwerlastkran beispielsweise. Der hält die Säule an vier Ketten knapp einen Meter über dem Boden. An ihrem Fuße fliegen die Funken, zwei Arbeiter flexen, was das Zeug hält. Ein paar Meter weiter steht eine überdimensionale Schale. Krautköpfe und Äpfel aus Kunststoff sind bereits montiert.  Blumen werden drum herum drapiert. „Die Schale wird am Schluss draufgesetzt“, sagt Floristmeister Dieter Wurster. Doch das ist das Tüpfelchen auf dem i.


„Wissen Sie, erst muss alles ganz genau passen, damit die Fruchtsäule nicht ein schiefer Turm von Bad Cannstatt wird“, sagt Architekt Gabeler, der für die gesamte Konstruktion verantwortlich ist. In diesem Jahr schient das schwierig zu sein: Das Wahrzeichen soll auf einem Holzpavillon thronen. Der wird während der drei Wochen Wasengaudi als Infozentrum für Medienvertreter und andere Wasen-Wissensdurstige dienen.


„Der Pavillon hat einen Betoninnenkern“, berichtet Gabeler. Auf diesem Kern sitze ein sogenannter Justierrahmen. „Darauf wird die Säule gesetzt und festgeschraubt.“ Sechs Tonnen wiegt das Prachtstück, knapp 30 Meter wird sie inklusive Pavillon und Schale an der Spitze hoch sei „Das Problem ist weniger das Gewicht“, so Gabeler. Kritisch sei die Höhe und der damit verbundene Winddruck.


Und deshalb wird geflext, gemessen, wieder geflext, geschraubt, gehoben, verschoben, abgesetzt und neu angepasst. Dann ist es so weit. Der Schwerlastkran zieht die Säule in die Höhe, schwenkt sie langsam über den Pavillon und lässt das Volksfestsymbol ab. Ganz langsam und ganz gerade.